Dasitzen

Dasitzen und den Bildschirm anstarren. Aufstehen und in die Küche gehen, nach Schokolade suchen, aber die ist längst alle. Wieder vor dem Bildschirm. Warum schreibst du nicht mal was Lustiges? Da gibt es doch diesen Arktis-Exzentriker, der vermeintlich als erster den Pol erreicht haben wollte, Robert Peary, 1909 war das, warum schreibst du nicht über den? Wie er acht Zehen verlor aus purer Sturheit. Oder über ein Krankenhaus? Was Gegenwärtiges. Mails checken, kurz auf Instagram, dann wieder das Dokument anstarren. Immer die Frage: Was drängt dich zu diesem Text? Gibt es da etwas absolute Notwendiges? Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung.

Der Katze etwas zu fressen hinstellen, in den Garten blicken. Dort schießen bereits die ersten Frühblüher aus dem Boden. Irgendwie versuchen, die Dinge im Blick zu behalten, die Roman-Dinge. Wo in diesem Text findet sich Gegenwärtiges, das alles ist doch aus der Mottenkiste. Und wenn’s nachher keiner lesen will? Dann wäre ein leeres Blatt ebenso gut.

Gestern habe ich eine Doku über die Nenzen auf der Jamal-Halbinsel gesehen. Darin erzählt eine Frau: „Zum Beispiel darf man nicht über das Wetter schimpfen. Für einen Nenzen muss es so sein wie es ist. Unsere Philosophie ist also ganz einfach.“ Vielleicht gelingt mir eine ähnlich Sicht auf mein Schreiben: Es muss so sein, wie es ist.

Für einen richtigen Streit waren sie zu müde. – Das ist der letzte Satz, den ich vor zwei Tagen im Manuskript getippt habe. Und er beschreibt ziemlich gut meine momentane Verfassung: „Für einen weiteren Satz war er zu müde.“ Ab Morgen dann wieder mehr Schreibzeit und dann hoffentlich auch wieder ein paar neue Sätze.