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Kälte

Als ich heute Morgen gegen 7.20 Uhr Brötchen holen ging, hatte es in Frankfurt –4 Grad Celsius. Eine lächerliche Zahl gemessen an den Temperaturen in Nordsibirien und im kleinen Örtchen Dikson, wo es jetzt um diese Jahreszeit bis zu –30 Grad kalt ist (Rekordwerte bewegen sich bei etwa –50 Grad Celsius). Aber das Kribbeln in den Fingern und die unter die Hosenbeine kriechende Kälte ließen eine Ahnung zu von den Verhältnisse im hohen Norden. Ja, es ist nur eine Ahnung.

Als ich im Winter 2010/11 in Leipzig lebte, hatten wir Nächte von –20 Grad Celsius, heftige Schneeverwehungen und den Ausfall des kompletten Nahverkehrs. Auch das nur eine Ahnung. Oder noch weiter zurück: Das Gefühl, in irgendeinem Winter in den 90ern morgens an der Haltestelle zu stehen, auf den verspäteten Bus zu warten und die Zehenspitzen nicht mehr zu fühlen.

Alles Annäherungen an die Kälte. Eine Kälte, die ich versuche im Roman mit literarischen Mitteln zu greifen, in Worte zu wandeln.

Das bild oben ist ein Ausschnitt aus „Beyond Man's Footsteps“ des Briten Briton Rivière von 1892. Wie so viele Künstler war Rivière nie in der Polarregion, sondern stützte seine Arbeit auf die Aufzeichnungen von Expeditionen und auf die Beobachtung von Eisbären im Zoo. Auch er romantisiert die Arktis als einen erhabenen Ort der unberührten, wilden Natur.