Musik 2019

Nils Frahm, All Encores

Schon das Vorsänger-Album „All Melody“ gehörte zu meinen Lieblingen in 2018. Mit „All Encores“ kehrt Nils Frahm wieder zurück in die Stille und reduzierten Klavierkompositionen. Wobei auch hier die Grenzen zum Experiment und elektronischen Arrangements, wie sie in „All Melody“ vorherrschten, weiterhin anzutreffen sind. Der erste Teil besteht aus klassischen Klavierstücken, ruhig, zurückgenommen. Im zweiten Teil mischen sich dann zwischen die Tasten elektronische Klänge, spätestens in „Spells“ kehrt dann Nils Frahm zurück zu „All Melody“: Elektronisch Kompositionen, tanzbar, raumgreifend und einnehmend, bis am Ende alles im Weißen Rauschen untergeht.

Tool, Fear Inoculum

Dreizehn Jahre nach dem letzten Studioalbum „10.000 Days“ von 2006 erschien im August 2019 „Fear Inoculum“ und konnte nur scheitern. Scheitern an den turmhohen Erwartungen, an all den Hoffnungen, Befürchtungen und Interpretationen, die das Album mit seinem Erscheinen weckte, bestätigte, eröffnete. Ich gehöre weder zu den Tool-Jüngern noch zu den großen Zweiflern. Schon nach dem ersten Durchlauf stand für mich fest: „Fear Inoculum“ ist für mich eines der besten Metal/Alternative Alben der letzten Jahre. Tool scheren sich nicht um Moden und Geschmäcker und produzieren ein Konzeptalbum mit absoluten Ausnahmetiteln wie „Pneuma“ oder „Descending“. Die Rhythmussektion aus Schlagzeuger Danny Carey und Bassist Justin Chancellor ist unerreicht, die Gitarrenarbeit von Adam Jones beeindruckend und Maynard James Keenans Texte mäandern durch Raum und Zeit. Ein Brocken von einem Album und genau das Meisterwerk, dass alle erhofft oder befürchtet hatten.

Cult of Luna, A Dawn to Fear

Auf der Suche nach einem Nachfolger für die aufgelöste Post-Metall-Band Isis (für mich immer noch eine Referenzgröße des Genres) bin ich auf Cut of Luna gestoßen. „A Dawn to Fear“ macht keine Kompromisse und weist mit mächtigen Riffs und treibendem Schlagzeug klar die Richtung. Dazwischen gönnt sich die Musik, gönnt sich Leadsänger Johannes Persson aber auch immer wieder Momente der Ruhe; fast fragil wird es dann, scheint ein feines Glockenspiel durchzudringen, bevor es dann nur Augenblicke später von einem lauten Schrei und einem Schwall Gitarren in den Abgrund gerissen wird. Gut die Hälfte der Titel knackt die zehn Minuten Marke, dabei wird es aber nie redundant oder langweilig; die einzelnen Stücke folgen einem klaren Aufbau, erzählen Geschichten zwischen Schmerz, Raserei und stiller Einkehr. Mitreißend und niederreißend.

Weitere Highlights

The Moth Gatherer, Esoteric Oppression. Der Stilmix aus Post Metal, Post Rock, Eletronica und Shoegaze hat mich während der Arbeit am neuen Roman lange Zeit begleitet. Düster und erhaben.

Brutus, Nest. Erst spät im Jahr entdeckt, dafür umso beeindruckter von der Wucht und Vielschichtigkeit der Band aus Belgien um Sängerin und Schlagzeugerin Stefanie Mannaerts. Auf jeden Fall im Augen behalten.

Raised Fist, Anthems. Bis jetzt auch an mir vorbeigegangen, das aber völlig zu Unrecht. Druckvoller Hardcore aus Schweden für alle Freunde von Boysetsfire, schon seit 1993. Tolle Entdeckung.

Soen, Lotus. Soen liefen mir immal wieder über den Weg, aber erst das aktuelle Album hat mich so richtig überzeugt: Prog-Metal mit harten Riffs und gefühlsbetonten Melodiebögen, irgendwo zwischen Tool und Katatonia.