Polarmeer

Die Arktisforschung im 19. Jahrhundert wurde begleitet von allerlei Mythen, Aberglauben und Seemannsgarn. Ein immer wieder auftauchender Topos war der eines eisfreien Polarmeers. Umgeben von einem Ring aus Eis, in dem alle bisherigen Expeditionen steckengeblieben waren, sollte um den Pol herum mildes Klima herrschen und das Meer dort schiffbar sein – bisher hatte nur niemand die entscheiden Lücke im Eisring gefunden.

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The farthest point reached (from The New York Public Library)

Laut damaliger Theorien sollte das warme Wasser des Golfstroms unterhalb des arktischen Packeises verlaufen und das Meer um den Pol so eisfrei halten; einige waren davon überzeugt, dass Salzwasser in diesen enormen Mengen nicht gefrieren konnte, andere glaubten (befeuert von den Romanen eines Jules Verne und Edgar Allan Poe), dass aus tiefen Erdspalten thermische Energie freigesetzt werden würde, der Pol näher am Erdinneren läge und dort somit angenehme Temperaturen herrschen müssten. Sogar Menschen sollten dort leben, vielleicht sogar unentdeckte Zivilisationen.

Alle Versuche, dieses sagenumwobene Polarmeer zu erreichen, endeten in Niederlagen oder verheerenden Katastrophen (Franklin, DeLong).