Schreiben mit Corona

Wie wird sich die aktuelle Corona-Krise auf mein Schreiben, mein Erzählen auswirken? Diese Frage stelle ich mir seit einigen Tagen, seit ich damit begonnen habe, an neuen Projekten zu arbeiten, einem Jugendbuch und einem Theaterstück für Jugendliche. Wird sie überhaupt Einfluss haben oder nach ihrem Abklingen zu einer der vielen Krisen werden, die mir täglich in den Nachrichten und Push-Meldung begegnen?

Ich habe das Gefühl, dass es diesmal anders ist. Und dies nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht (wie sich da die Krise auswirkt, auf den Buchmarkt, auf Verlage, dass steht nochmal auf einem ganz anderen Blatt). Diese Krise ist nicht auf ein bestimmtes Gebiet, nicht auf eine bestimmte Gruppe von Menschen beschränkt, sie trifft uns alle mit derselben Wucht. Unvorbereitet, ängstlich, zweifelnd horten wir Toilettenpapier, Spaghetti und Hefe, verzweifeln im Versuch Homeoffice und Kinderbetreuung zu verbinden und sehnen uns nach der Normalität des „Davors“. Denn das wird es geben, ein „Davor“ und ein „Danach“. Die Krise wird mit uns etwas machen, sie wird uns verändern und formen. Und müssen sich diese Veränderungen dann nicht auch in den Texten zeigen, die ich in Zukunft schreiben werde?

Was also tun? Wird es in einem Jahr eine Schwemme vom „Corona“-Romanen über Einsamkeit, Brotbacken und das Zurückgeworfensein auf sich selbst geben? Diese Krise wird ihre Spuren hinterlassen, so wie es der Mauerfall getan hat, 09/11, die Finanzkrise, und ich glaube, sie wird es deutlicher und tiefer als jemals zuvor tun. Die Folgen werden eine Rolle in zeitgenössischen Texten spielen. Nein, ich werde keinen Roman über Corona schreiben. Ich weiß nur, dass die Veränderungen des Alltags mich und mein Schreiben nicht unberührt lassen werden. Die Krise wird meine Texte färben.

Sich als Autor zurückzulehnen und die Vorgänge aus der Distanz zu beobachten, um dann, mit einigen Jahren Verzögerung, reflektiert und differenziert einen Text darüber zu verfassen – das scheint mir immer weniger möglich für mein Schreiben. Ich lebe in dieser komplexen, kreiselnden, rasenden, unberechenbaren Gegenwart und kann sie im Schreiben weder glätten noch entwirren. Ich kann nur versuchen, einen Weg zu finden in ihr und mit ihr zu leben.