eisberg
Annie Spratt, Unsplash

Unter der Oberfläche

Warum bloggen? Die Frage, die ich mir Endes des Jahres stellte, war eher: Warum es nicht tun? Schließlich ist das Schreiben eine meiner Haupttätigkeiten, kaum etwas beschäftigt mich über den Tag mehr, treibt mich um; oft gilt der letzte Gedanke vor dem Einschlafen dem Schreiben, meist ist es auch der erste nach dem Aufwachen.

Das, was ich publiziere – in Büchern, Anthologien, Magazinen etc. – ist ja nur die Spitze eines Eisberges. Für viele Texte, gerade für solche, die kein Roman, kein Theaterstück sein wollen, bei weitem nicht, Texte, die irgendwo zwischen Essay, Prosa und Autofiktion liegen, – diese Texte bleiben unter der Oberfläche. Sicher, manche Texte sollten dort auch bleiben und nicht alles muss in die Welt hinausposaunt werden, aber auf der anderen Seite habe ich in den letzten Monaten und Jahren die Erfahrung gemacht, dass sich der Buchmarkt mehr und mehr verengt und zwischen Romanen, Sachbüchern, Biografien und Rezeptsammlungen kaum noch Platz für anderes ist.

Dagegen ist das Netz ein idealer Ort für kurze und sehr kurze Texte. Auf Twitter zum Beispiel lassen sich wirklich spannende neue Formen des Schreibens beobachtet, lyrisch, prosaisch, essayistisch. Dort könnte ich ebenso wie auch auf Facebook oder Instagram meine Text einstellen – will das aber nicht. Die Tech-Konzerne und ihre Algorithmen machen das Netz zu einem eintönigen, benutzerfeindlichen Ort; es sind keine Plattformen mehr für Informationen, Ideen oder Kreatives, sondern riesengroße, fensterlose Einkaufshallen, vollgepflastert mit Werbebannern und Hinweisen und übersät mit Kameras, die jedes Verhalten verfolgen und aufzeichnen. Jeder darf da seinen kleinen, schmucklosen Kabuff anmieten („Register for free!“), aber alles, was ich hineinschleppe (Texte, Bilder) gehört der Mall, und wenn ich kein rechtschaffener Nutzer mehr bin, wird mir der Laden wieder dichtgemacht und alles beschlagnahmt.

Der eigene Blog ist ein kleiner autonomer Raum. Hier tracke ich nicht, es gibt keine Cookies, keine Werbung. Hier bestimme ich das Aussehen und die Inhalte. Sicher ist das nur ein Tröpfchen im riesigen Meer des Webs, aber dennoch ein Stück digitaler Selbstbestimmung.