Vom Ende als Autor

Mit Anfang vierzig und einem schulpflichtigen Kind ist es mit der Autorenkarriere erst einmal vorbei. Dieser Eindruck drängt sich zumindest dann auf, wenn ich mir die einschlägigen Listen mit Literaturpreisen und Stipendien anschaue. Regelmäßig suche ich auf Seiten wie literaturport.de nach geeigneten Bewerbungsmöglichkeiten, und regelmäßig verlasse ich sie mit einem Achselzucken wieder. Mal wieder nichts gefunden. Dabei gibt es in Deutschland unzählige Preise und Stipendien, gefühlt vergibt jede Sparkasse einen eigenen, aber bei genauerem Hinsehen finden sich dann überall Einschränkungen: Sie sind regional begrenzt, haben eine Altersgrenze (meist sind es 35 Jahre, warum auch immer), setzen eine Buchveröffentlichung voraus beziehungsweise überhaupt keine.

Besonders schwierig wird es beim Thema Stipendien, genauer bei Aufenthaltsstipendien. Auch davon gibt es unzählige, in Klöstern, Bahnwärterhäuschen und in Türmen, in Wellness-Anlagen und in Meeresnähe. Einige davon sprechen mich an, bei einigen denke ich: Wirklich schön, an diesem Ort würde ich gerne Zeit verbringen und schreiben. Aber bei den meisten ist auch klar: Wir wollen nur dich, den Autor. Familie und Anhang lass bitte zuhause. Die Lebenswirklichkeit von mir und anderen Autorinnen spielt sich im Dreieck von Brotberuf, Schreiben und Familie ab. Da ist es nahezu unmöglich, sich für drei Monate in ein Kloster oder eine einsame Hütte zum Schreiben zurückzuziehen. Die meisten Aufenthaltsstipendien scheinen sich an kinderlose Autorinnen unter 35 zu richten. Die, so der Eindruck, sind noch ungebunden und bereit, sich für ein halbes Jahr in eine kleine Wohnung zu hocken und dem romantisierten Bild des „Armen Poeten“ zu entsprechen.

Mit Ende dreißig kann man also nur hoffen, dass die Kinder bald groß sind und ihre eigenen Wege gehen, um sich dann nochmal für die schönen Stipendien am Meer oder im Kloster zu bewerben – wenn es dann nicht heißt: Sorry, jetzt bist du zu alt!